Enttäuschung über die Entscheidung der Verbandsräte gegen die Einführung
Die Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung, die Ergebnisse der Bürgerbefragung zur Einführung der Gelben Tonne nicht zu berücksichtigen. Von den 26 Verbandsräten hatten nur Matthias Weigl und der Deggendorfer Paul Linsmaier für die Einführung gestimmt, trotz des eindeutigen Ergebnisses der Online-Bürgerbefragung. In einem Antrag plädieren die Grünen für eine umfassende Befragung der Passauer Haushalte vor der nächsten Entscheidung über das Abfallentsorgungssystem, sowie über eine Sensibilisierungskampagne zur Abfallvermeidung.
Bürgerbeteiligung ist unerlässlich
„Die repräsentative Umfrage zum Thema Gelbe Tonne hat deutlich gezeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger in Passau einen Systemwechsel wünschen. Wir fordern vor der nächsten Entscheidung 2027 eine erneute Befragung mit höherer Verbindlichkeit“, erklärt Oberbürgermeisterkandidatin Stefanie Auer. Die Fraktion sieht in der Bürgerbeteiligung einen wichtigen Schritt, um den Willen der Passauer Bevölkerung in zukünftige Entscheidungen einzubeziehen. 56 Prozent der Befragten im Stadtgebiet sprachen sich für die Einführung der Gelben Tonne aus, in der Online-Befragung waren es sogar 80 Prozent der Teilnehmenden.
Alarmierende Zahlen zur Plastikverwertung
Ein zentrales Anliegen der Grünen ist die Nachhaltigkeit in der Abfallwirtschaft. Laut aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes wurden im Jahr 2023 lediglich 38 Prozent des gesammelten Plastiks werkstofflich verwertet. „Die Menschen fahren ihren Plastikmüll zum Wertstoffhof und gehen davon aus, dass das recycelt wird. Tatsächlich, landen – zumindest deutschlandweit – mehr als 60 Prozent der säuberlich gesammelten Leichtverpackungen auch in der Müllverbrennung“, sagt Dr. Stefanie Wehner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Diese Zahlen sind besorgniserregend, wir müssen den Fokus mehr auf Plastikvermeidung legen, auch aus Gründen des Gesundheits- und Klimaschutzes.“
Kostensteigerungen und Umweltschutz
Die Fraktion weist zudem auf die steigenden Kosten für die Restmüllverbrennung hin, die im Millionenbereich liegen könnten. „Jede eingesparte Tonne Restmüll und jede recycelte Tonne Wertstoffe schont unsere Umwelt und spart Geld für die thermische Verwertung. Dies entlastet die Bürgerinnen und Bürger vor Ort“, erklärt Matthias Weigl.
Die aktuellen vertraglichen Konditionen für die Restmüllentsorgung sind zwar noch günstig, doch die schrittweise Erhöhung des CO2-Preises wird zu Kostensteigerungen führen. Mehr als 5 Millionen geleerte Restmülltonnen werden jährlich im ZAW-Verbandsgebiet gesammelt und weiter in das Müllheizkraftwerk München-Nord transportiert. Bei dem gesammelten Leichtverpackungen ist man mit elf Kilogramm pro Person deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt, der rund doppelt so hoch liegt. „Fast überall in Bayern und Deutschland gibt es ein Abholsystem. Auch wir in Passau könnten durch die Gelbe Tonne einen besseren Wert erreichen“ ist sich Diana Niebrügge sicher.
Maßnahmen zur Abfallvermeidung und Bildung
Um die Situation zu verbessern, fordert die Fraktion verstärkte Bemühungen bei der Abfallvermeidung und die Förderung von Mehrweg-Angeboten. Zudem sollen in Zusammenarbeit mit Passauer Bildungseinrichtungen Projekte initiiert werden, um für eine achtsameren Umgang mit Müll und Wertstoffen zu fördern: „Wir müssen die Menschen verstärkt für das Thema Müllvermeidung und Recycling sensibilisieren und gemeinsam Lösungen entwickeln, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll sind“, betont Matthias Weigl.


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