Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz: Grüne fordern umfassenden Hitzeaktionsplan für Passau

Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Passauer Stadtrat beantragt die Erstellung und Umsetzung eines lokalen Hitzeaktionsplans. Angesichts der zunehmenden Intensität sommerlicher Hitzewellen, die in der Passauer Innenstadt bereits Spitzenwerte von mehr als 39 Grad erreichten, fordern die Grünen ein systematisches Konzept zum Schutz der Bevölkerung. Der Plan soll insbesondere jene Menschen absichern, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Gesundheit besonders gefährdet sind.

Die Klimakrise zeigt sich in Passau immer deutlicher. Während die Stadt durch ihre Lage an den drei Flüssen als „kühl“ wahrgenommen wird, verwandeln sich versiegelte Bereiche der Innenstadt und dicht bebaute Wohngebiete mit wenig Grünflächenanteil – wie etwa der Ludwigsplatz/Neue Mitte und die Spitalhofsstraße – bei Hitzewellen in gefährliche Hitzeinseln. Die gesundheitlichen Folgen sind massiv.  Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen für das Jahr 2026 bereits mehr als 500 hitzebedingte Todesfälle im Freistaat Bayern. Diese Zahl dürfte im Zuge der aktuellen, zweiten Hitzewelle weiter steigen

„Wir dürfen Hitze nicht länger als bloßes sommerliches Unbehagen betrachten, sondern müssen sie als das erkennen, was sie ist: ein massives Gesundheitsrisiko“, sagt die Ärztin und Vorstandsmitglied Dr. Heidi Brandl „Die aktuellen Zahlen des RKI sind ein Weckruf – wenn Hunderte Menschen im Freistaat an den Folgen der Hitze sterben, darf Passau nicht tatenlos zusehen.“

Im Zentrum des Antrags stehen konkrete, unmittelbar umsetzbare Präventionsmaßnahmen. Die Grünen fordern die Einrichtung von „Kühlen Orten“ (Cool Spots) – öffentlich zugänglichen Rückzugsorten mit niedriger Temperatur –, ein verbindliches Warnsystem sowie den Aufbau eines Hitzeregisters inklusive eines speziellen Hitze-Telefons für Senior*innen, um soziale Isolation in extremen Hitzephasen zu verhindern.  In anderen niederbayerischen Kommunen, wie zum Beispiel in Deggendorf, ist das bereits umgesetzt und funktioniert gut.

„Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, dass wir gerade jene Menschen schützen, die sich nicht einfach in klimatisierte Räume zurückziehen können“, sagt Stadträtin und Fraktionsvorsitzende Dr. Stefanie Wehner. „Besonders in unseren dicht bebauten Wohngebieten und in Einrichtungen wie Kitas oder Pflegeheimen müssen wir jetzt handeln. Die Stadt hat hier eine klare Fürsorgepflicht im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge.“ Bereits 2024 haben die Grünen weitgehende Maßnahmen zum Hitzeschutz gefordert, allerdings wurde der Antrag abgelehnt und nur einige wenige Maßnahmen umgesetzt.

„Passau hat mit seiner spezifischen Architektur und seinen versiegelten Flächen im Zentrum besondere Herausforderungen“, sagt Stadträtin Diana Niebrügge, selbst Innenstadtbewohnerin. „Ein lokaler Hitzeaktionsplan muss genau hier ansetzen und Passau-spezifische Lösungen bieten, damit unsere Innenstadt auch bei 40 Grad ein lebenswerter Ort bleibt.“

Politisch begründen die Grünen den Antrag zudem mit dem Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG), das Kommunen seit Anfang 2025 gesetzlich dazu verpflichtet, Klimarisiken fachübergreifend zu berücksichtigen. Da der Freistaat Bayern entsprechende Förderrichtlinien für den Hitzeschutz anbietet, sei die finanzielle Hürde niedrig und die rechtliche Notwendigkeit hoch.

„Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind durch das Bundes-Klimaanpassungsgesetz gesetzt und Fördermittel verfügbar“, stellt Stadtrat Matthias Weigl fest. „Die Zeiten des Zögerns sind vorbei, jetzt braucht es den politischen Willen, Passau hitzeresilient zu machen und unsere Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu schützen.“

Langfristig sehen die Grünen in diesem Plan einen Gewinn für die gesamte Lebensqualität in der Stadt. Mit einem modernen Hitzeschutz werde nicht nur das Risiko von Todesfällen gesenkt, sondern die Attraktivität Passaus als moderne, gesundheitsbewusste Stadt gesteigert.

„Klimaschutz und Gesundheitsschutz sind zwei Seiten derselben Medaille“, resümieren  die Stadträte Andreas Pontz und Dr. Achim Spechter. „Mit einem mutigen Hitzeaktionsplan machen wir Passau nicht nur sicherer für die kommenden Sommer, sondern steigern die Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger nachhaltig.“

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